PFAS–Check Schweiz
Auswirkungen von PFAS–Ewigkeitschemikalien  auf Mensch und Umwelt sowie nachhaltige Alternativen

Schweizer Gesundheitsstudie (Pilotphase)

Die Pilotphase der Schweizer Gesundheitsstudie (2017–2023) untersuchte 789 Erwachsene im Alter von 20–69 Jahren in den Kantonen Bern und Waadt mittels Humanbiomonitoring (HBM). Es wurden Blut- und Urinproben gesammelt und auf Metalle, PFAS und Glyphosat analysiert.

  • in allen 789 Blutproben konnten PFAS-Substanzen nachgewiesen werden (gemessen wurden insgesamt 30 verschiedene PFAS).
  • PFOS, PFOA und PFHxS – drei alte, besonders problematische PFAS – wurden in 100% der Proben nachgewiesen!

Die Studie zielte darauf ab, die Machbarkeit einer nationalen Langzeitstudie zu prüfen und verlässliche Referenzwerte für die Belastung der Bevölkerung zu gewinnen. Die Analyse der PFAS erfolgte mittels Flüssigchromatographie gekoppelt an Triple-Quadrupol-Massenspektrometrie (LC-MS/MS), was eine besonders niedrige Nachweisgrenze ermöglicht. Die Ergebnisse liegen im europäischen Vergleich im ähnlichen Bereich, zeigen jedoch bei PFOS vereinzelt kritische Werte.

Die Messwerte überschreiten teilweise internationale Richtwerte!

Beteiligte Forschungsinstitutionen

  • Unisanté, Lausanne
  • Institut für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM), Universität Bern
  • Swiss Biobanking Platform (SBP)
  • Schweizer Tropen- und Public-Health-Institut (SwissTPH)
  • Universität Lausanne

Anzahl der Proben

Die Serumproben wurden auf 30 etablierte und neu auftretende PFAS analysiert. Darunter PFOS – Perfluoroktansulfonat, PFOA – Perfluoroktansäure, PFHxS – Perfluorhexansulfonat und PFNA – Perfluornonansäure.

Orte der Probenentnahme

Es wurden 789 Erwachsene im Alter von 20–69 Jahren in den Kantonen Bern und Waadt untersucht.

Analysemethode

In der Pilotphase wurden Blutproben untersucht, um zu sehen, wie stark Menschen mit PFAS belastet sind. Die Substanzen wurden mit der sehr präzisen Labormethode LC‑MS/MS gemessen, die auch kleinste Mengen im Blutserum nachweisen kann. Die Ergebnisse wurden mit gesundheitlichen Richtwerten verglichen, um einzuschätzen, ob die Belastung unbedenklich ist oder ob Vorsorgemassnahmen ergriffen werden müssen.

PFAS-Werte - Nachweisrate 99 - 100%

Substanz Median/mittlerer Wert (ng/mL) P95 (ng/mL)

Substanz

Abkürzung

Nachweisrate in % (Proben gesamt)

Perfluoroctansulfonsäure

PFOS

100

Perfluoroctansäure

PFOA

100

Perfluorhexansulfonsäure

PFHxS

100

Perfluornonansäure

PFNA

99,6


PFAS-Werte -
Nachweisrate 0,1 - 90,9%

Substanz Median/mittlerer Wert (ng/mL) P95 (ng/mL)

Substanz

Abkürzung

Nachweisrate in % (Proben gesamt)

Perfluordecansäure

PFDA

90,9

Perfluorheptansulfonsäure

PFHpS

87,9

Perfluorundecansäure

PFUnDA

51,2

N-Methyl-perfluoroctansulfonamidoessigsäure

MeFOSAA

4,8

Perfluorbutansulfonsäure

PFBS

4,4

Perfluorheptansäure

PFHpA

1,4

Perfluordodecansäure

PFDoDA

2,1

Perfluorbutansäure

PFBA

1,2

N-Ethyl-perfluoroctansulfonamidoessigsäure

EtFOSAA

0,4

Perfluortridecansäure

PFTrDA

0,4

1H,1H,2H,2H-Perfluor-n-octansulfonsäure

6:2 FTS

0,3

6:2 Fluorotelomer-Ammoniumverbindung

6:2 FTAB

0,1


PFOS: Bei 3.6% der Teilnehmenden wurde der HBM-II-Wert überschritten (Der HBM-II-Grenzwert ist ein gesundheitlich relevanter Schwellenwert, ab dem mögliche negative Auswirkungen auf die Gesundheit nicht mehr ausgeschlossen werden können)

Kritische Gesundheitswerte

  • PFOA, PFNA, PFHxS: Keine Überschreitungen der HBM-II-Werte.
  • Besonders kritisch ist PFOS, da 3,6 % der untersuchten Personen Werte oberhalb des HBM II-Werts von 20 ng/mL aufweisen, womit gesundheitliche Auswirkungen möglich sind

Grafik 3: PFOS-Belastung nach Geschlecht


Höher exponierte Personengruppen

  • Personen mit hohem Konsum von Fisch oder Meeresprodukten
  • Männer, da sie im Mittel höhere PFOS-Werte aufweisen als Frauen (möglicherweise wegen geringerer Ausscheidung)
  • Personen mit beruflichen oder lokalen Expositionsquellen
  • Personen in belasteten Regionen

Fazit

Die Pilotphase bestätigt, dass die Schweizer Bevölkerung PFAS-Belastungen aufweist, die mit denen der Nachbarländer vergleichbar sind. Die Studie liefert wertvolle Referenzdaten und bildet eine Grundlage für eine nationale Langzeitstudie. Sie zeigt auf, dass eine nationale Langzeitstudie sowohl machbar als auch notwendig wäre, um die gesundheitlichen Auswirkungen von Umweltchemikalien langfristig zu überwachen und geeignete Schutzmassnahmen abzuleiten.

Quellen

BAG: "Pilotphase der Schweizer Gesundheitsstudie" – HBM (2023) im Auftrag des Bundesamt für Gesundheit (BAG)
Webseite BAG: https://www.bag.admin.ch/de/human-biomonitoring-projekte-die-pilotphase

PDF Download: https://www.bag.admin.ch/dam/de/sd-web/fYwR7UApI3RB/pilotphase-der-schweizer-gesundheitsstudie.pdfWebseite ScienceDirect: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0160412025001333