PFAS–Check Schweiz
Auswirkungen von PFAS–Ewigkeitschemikalien  auf Mensch und Umwelt sowie nachhaltige Alternativen

TFA im Grundwasser

Kurzbeschreibung der Studie

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat im Rahmen der Nationalen Grundwasserbeobachtung NAQUA eine Pilotstudie (Messjahre 2022–2023) zur Verbreitung von Trifluoressigsäure (TFA) im Schweizer Grundwasser durchgeführt. TFA ist ein sehr mobiles, persistentetes Abbauprodukt verschiedener PFAS-Quellen (u. a. Pflanzenschutzmittel, gasförmige Kälte- und Treibmittel) und zählt selbst zu den PFAS. Ziel war, Vorkommen, räumliche Muster und potenzielle Quellen von TFA zu bestimmen.

Anzahl Proben

Erfasst wurden „alle knapp 550 NAQUA-Messstellen“ in der Schweiz; die Bestimmungsgrenze lag bei maximal 0,2 µg/l TFA.

Probenorte

Die Messstellen decken die Schweiz repräsentativ ab (NAQUA-Netz). Befunde zeigen:

  • Alpen/Voralpen/Alpensüdseite über 1’000 m: TFA-Konzentrationen durchweg unter 0,6 µg/l
  • Regionen mit viel Ackerbau: an gut 60% der entsprechenden Messstellen 1–5 µg/l.
  • Einzelne Spitzen: >10 µg/l an zwei nahe beieinander liegenden Messstellen in der Nordwestschweiz, im Einfluss eines Fliessgewässers mit eingeleitetem, gereinigtem Industrieabwasser (Ergolz-Nähe).

TFA-Grenzwerte

TFA ist bisher weder in der EU, noch in der Schweiz reguliert.

Kritische Bewertung

  • Evidenzstärke: Die Datengrundlage ist robust (landesweites NAQUA-Netz, ~550 Messstellen, einheitliche Methodik). Das belegt die flächendeckende Präsenz von TFA und differenziert regionale Muster.
  • Quellenzuordnung: Die Analyse liefert konsistente Indizienketten: erhöhte Werte in Ackerbaugebieten (PSM-Metabolit), niedrige Werte in hochalpinen Lagen (atmosphärischer Eintrag über Niederschlag ~0,6 µg/l), punktuell hohe Werte bei Einfluss von industriell belastetem Flusswasser. Dennoch bleiben Unsicherheiten bei relativen Quellbeiträgen und zeitlichen Trends (Transportzeiten im Untergrund: Jahre bis Jahrzehnte).
  • Regulatorische Konsequenzen: Wiederholte und verbreitete Überschreitungen von 0,1 µg/l im Grundwasser (Trinkwassernutzung) lösen nach Gewässerschutzrecht Überprüfungs- und ggf. Zulassungsentzüge für betroffene Pflanzenschutzmittel aus. Gleichzeitig zeigt das BAFU, dass auch Kälte-/Treibmittel zur Hintergrundbelastung beitragen – ein systemischer Ansatz über mehrere Sektoren ist nötig.
  • Vorsorge und Monitoring: Angesichts Persistenz/Verbreitung ist Quellkontrolle prioritär. Empfohlen sind: zügige Neubewertung und ggf. Einschränkung TFA-bildender PSM, Reduktion TFA-bildender Kälte-/Treibmittel, Kontrolle industrieller Abwassereinleitungen, Ausbau von Monitoring und Stoffdaten (inkl. besserer Metabolitenerfassung im Zulassungsverfahren).

Quellen

BAFU: „TFA im Grundwasser“, veröffentlicht 02.03.2026; NAQUA 2022/2023
Webseite: https://www.bafu.admin.ch/de/naqua-tfa

WWF Schweiz: "Fünf Fragen zu TFA im Grundwasser"
Webseite: https://www.wwf.ch/de/stories/fuenf-fragen-zu-tfa-im-grundwasser