PFAS–Check Schweiz
Auswirkungen von fluorierten Chemikalien (PFAS) auf Mensch und Umwelt sowie fluor- und PFAS-freie Alternativen

Übersicht der erwarteten quantifizierbaren gesellschaftlichen Gesamtkosten durch Gesundheitsschäden und Umweltbelastungen im EU-Raum bis 2050

Eine aktuelle Studie der Europäischen Kommission untersucht die langfristigen wirtschaftlichen Folgen der PFAS-Belastung in Europa. Berücksichtigt werden insbesondere Gesundheitskosten, Umweltfolgen sowie Aufwendungen für Sanierungs- und Aufbereitungsmassnahmen bis zum Jahr 2050. Betrachtet werden unterschiedliche Regulierungsszenarien sowie die daraus resultierenden Gesundheits-, Umwelt- und Infrastrukturkosten, basierend auf dem Bericht „The Cost of PFAS Pollution for our Society“ der Europäischen Kommission (2026).

Mögliche Szenarien

Szenario 1: Status quo/Business as Usual (BAU) ohne zusätzliche Massnahmen – Gesamtkosten: ca. 440 Milliarden Euro

„Weiter wie bisher“ – Entspricht dem Regulierungsstand von Juni 2024.

  • Berücksichtigt keine späteren zusätzlichen PFAS-Beschränkungen.
  • PFAS-Emissionen steigen bis 2050 deutlich an.

Auswirkungen:

  • Zahl der belasteten Standorte und exponierten Personen nimmt zu.
  • Gesundheitskosten bleiben langfristig hoch (Behandlung PFAS-bedingter Erkrankungen)
  • teure Umwelt- und Sanierungskosten

Hinweis: Die Schätzung gilt als eher konservativ, da nur wenige PFAS-Verbindungen berücksichtigt wurden.

Szenario 2: Vollständige Einhaltung der Trinkwasserrichtlinie – Gesamtkosten: ca. 450 Milliarden Euro

Voraussetzungen:

Strikte Einhaltung der Grenzwerte:

  • 100 ng/l (Nanogramm pro Liter) für die Summe von 20 PFAS
  • 500 ng/l (Nanogramm pro Liter) für „Total PFAS“
  • PFAS werden im Trinkwasser reduziert.

Auswirkungen:

  • Da ein grosser Teil der Belastung über Lebensmittel erfolgt, sinken die Gesundheitskosten nur geringfügig. 
  • Zusätzliche Kosten entstehen für die Trinkwasseraufbereitung sowie Filter- und Reinigungstechnologien, mit zusätzlicher Entfernung von TFA sogar deutlich höher.

Szenario 3: Einhaltung strenger Umweltqualitätsstandards (EQS) – Gesamtkosten: bis zu 1,7 Billionen Euro

Voraussetzungen:

"Environmental Quality Standards" – Einhaltung eines sehr strengen Grenzwerts von 4,4 ng/l PFOA-Äquivalent für Oberflächengewässer und Grundwasser.

Auswirkungen:

  • Gesundheitskosten: ca. 240 Mrd. €
  • Sanierungs-/Behandlungskosten: ca. 1'480 Mrd. €
  • Gesundheitskosten sinken zwar durch geringere Belastung der Bevölkerung, gleichzeitig entstehen jedoch sehr hohe Kosten für Abwasserbehandlung!
  • führt zu einer Reduktion der PFAS-Belastung um rund 95–99 %.
  • Gesundheitskosten sinken bis etwa 2040 nahezu auf Null.

Hinweis: Die Abwasserbehandlung verursacht dabei Kosten von über 1 Billion Euro

Szenario 4: Vollständiger Ausstieg aus Produktion und Verwendung von PFAS – Gesamtkosten: ca. 330 Milliarden Euro

Voraussetzung:

Produktion und Verwendung von PFAS werden beendet.

Auswirkungen:

  • geringere Gesundheitsbelastung
  • weniger Umweltkontamination
  • geringerer Bedarf an aufwendiger Wasseraufbereitung
  • Emissionen sinken ab 2030 stark und erreichen bis 2040 praktisch Null.
  • PFAS verbleiben zwar noch lange in Böden und Umwelt, neue Einträge entfallen jedoch.
  • Gesundheitskosten sinken kontinuierlich und gehen bis 2050 auf  nahezu Null zurück.

Hinweis:Niedrigste Kosten aller untersuchten Szenarien. Die Studie bewertet dies als wirtschaftlich günstigste Langfriststrategie.


Vergleich der Szenarien

Szenario

Kurzbeschreibung

Gesamtkosten bis 2050*

Business as Usual

PFAS-Emissionen steigen weiter

ca. 440 Mrd. €

Trinkwasserrichtlinie

PFAS-Reduktion im Trinkwasser

ca. 450 Mrd. €

Umweltqualitätsstandards

Sehr strenge Grenzwerte für Gewässer

ca. 1,7 Billionen €

PFAS-Ausstieg

Produktions- und Verwendungsverbot

ca. 330 Mrd. €

* Heutiger Wert der quantifizierbaren Kosten im Zeitraum 2024–2050. Nicht enthalten sind viele nicht quantifizierbare Umwelt- und Ökosystemschäden.

Welche Gesundheitsschäden wurden berücksichtigt?

Die Studie bewertet 13 gesundheitliche Endpunkte und deren volkswirtschaftliche Folgen. Dazu gehören insbesondere:

  • Atemwegsinfektionen
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Lebererkrankungen
  • Herz-Kreislauf-Risikofaktoren
  • Chronische Nierenerkrankungen
  • Krebserkrankungen
  • Fruchtbarkeitsstörungen
  • Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen
  • Beeinträchtigungen der kindlichen Entwicklung

Berechnete Gesundheitsbelastung im Jahr 2024

PFAS werden im Jahr 2024 zugeschrieben:

  • rund 169'600 verlorene gesunde Lebensjahre (DALYs)
  • rund 1'050 statistische Todesfälle

Fazit

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass präventive Massnahmen – insbesondere eine weitgehende Reduktion oder Beendigung der PFAS-Produktion und -Verwendung – langfristig geringere gesellschaftliche Kosten verursachen als die spätere Bewältigung der daraus entstehenden Gesundheits- und Umweltschäden.


Quellen

Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union: https://op.europa.eu/de/publication-detail/-/publication/2bcea765-fbf8-11f0-8da5-01aa75ed71a1/language-en

Hier gehts zu Bericht: PDF-Download