PFAS–Check Schweiz
Auswirkungen von fluorierten Chemikalien (PFAS) auf Mensch und Umwelt sowie fluor- und PFAS-freie Alternativen

PFAS in vielen Medikamenten ersetzbar

PFAS auch in Medikamenten verbreitet

PFAS («Ewigkeitschemikalien») werden nicht nur in Alltagsprodukten verwendet, sondern auch in zahlreichen Medikamenten, darunter:

  • Antibiotika
  • Antidepressiva
  • Krebsmedikamente
  • Asthmasprays

Die Stoffe sorgen unter anderem für mehr Stabilität und Haltbarkeit von Arzneimitteln.

Neue Studie widerspricht Pharmaindustrie

Die Pharmaindustrie argumentiert bisher, dass PFAS in Medikamenten kaum ersetzbar seien.

Eine neue Studie des Pharmazeutischen Instituts der Universität Freiburg und des Umweltbundesamtes kommt jedoch zu einem anderen Ergebnis:

  • Für 97 von 111 untersuchten PFAS-haltigen Wirkstoffen existieren bereits PFAS-freie Alternativen.
  • Viele Alternativen sind bereits zugelassen oder befinden sich kurz vor der Markteinführung.
  • In Deutschland wurden für 70 PFAS-haltige Wirkstoffe bereits 61 Alternativen identifiziert.

Umwelt- und Gesundheitsprobleme

PFAS bauen sich in der Umwelt kaum ab und gelten deshalb als «Ewigkeitschemikalien».

Einige PFAS stehen im Verdacht:

  • Krebs zu verursachen
  • Leber zu schädigen
  • das Immunsystem zu beeinträchtigen
  • hormonelle Störungen auszulösen

Besonders problematisch ist das langlebige Abbauprodukt Trifluoressigsäure (TFA):

  • Es verteilt sich leicht im Wasser.
  • Es lässt sich nur schwer aus Trinkwasser entfernen.
  • Deutsche Behörden stuften TFA 2025 als fortpflanzungsgefährdend ein.

Problem vor allem bei Herstellung und Entsorgung

In gebundener Form innerhalb von Medikamenten gelten PFAS meist nicht direkt als gefährlich für Patientinnen und Patienten.

Die größten Umweltprobleme entstehen vor allem:

  • bei der Herstellung
  • durch Abfälle
  • durch die Entsorgung der Stoffe

Weltweit gelangen dadurch jedes Jahr mehrere Tonnen langlebiger PFAS-Abbauprodukte in die Umwelt.

Regulierung in der EU

Die Europäische Union arbeitet seit 2023 an strengeren Regeln für PFAS.

Die Arzneimittelbranche soll jedoch weitgehend ausgenommen werden, weil:

  • die Suche nach Alternativen als schwierig gilt
  • Umstellungen viel Zeit benötigen
  • Medikamente zuverlässig wirken müssen

Kritik von Umweltbehörden

Das Umweltbundesamt sieht bisher zu wenige Anreize für die Pharmabranche, umweltfreundlichere Wirkstoffe zu entwickeln.

Die neue Studie zeigt laut den Forschenden jedoch, dass PFAS-freie Alternativen in vielen Fällen bereits möglich wären.

Gleichzeitig betonen die Autorinnen und Autoren:

  • Die Risiken möglicher Ersatzstoffe sind noch nicht vollständig erforscht.
  • Die medizinisch beste Behandlung muss weiterhin im Vordergrund stehen.


Quellen

ARD-Bericht vom 15.05.2026: https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/pfas-chemikalien-medikamente-100.html