PFAS–Check Schweiz
Auswirkungen von fluorierten Chemikalien (PFAS) auf Mensch und Umwelt sowie fluor- und PFAS-freie Alternativen

Kreditvergabe in der Landwirtschaft: PFAS als neues Kriterium

PFAS-Belastungen haben zunehmend konkrete finanzielle Folgen für landwirtschaftliche Betriebe. In mehreren Schweizer Kantonen verlangen landwirtschaftliche Kreditstellen inzwischen einen negativen PFAS-Test, bevor sie Investitionen wie den Bau neuer Ställe finanzieren. Für viele Betriebe entsteht dadurch zusätzliche Unsicherheit bei langfristigen, kostenintensiven Entscheidungen. Besonders relevant ist das bei grossen Bauvorhaben mit langer Nutzungsdauer (z. B. Stallneu- oder -umbauten), weil spätere Einschränkungen erhebliche wirtschaftliche Folgen hätten.

PFAS als Kriterium bei Krediten

Kreditgeber berücksichtigen PFAS zunehmend als Risikofaktor, um langfristige Investitionen abzusichern. Dementsprechend wird dabei teils verlangt:

  • negativer PFAS-Nachweis vor der Kreditvergabe
  • zusätzliche Abklärungen bei Verdachtsfällen oder erhöhten Werten

Besonders betroffene Betriebe

Im Fokus stehen vor allem Rinderbetriebe, da hier Belastungen häufiger zum Thema werden als in anderen Tierhaltungsbereichen. Typische betroffene Investitionen sind:

  • Neubau oder Erweiterung von Rinderställen
  • Silos und Futteranlagen
  • Hofdünger- und Güllelager

Anmerkung: In der Regel nicht betroffen sind Stallbauten für Schweine oder Geflügel.

Unterschiedliche kantonale Regelungen

Da die landwirtschaftlichen Kreditstellen kantonal organisiert sind, gelten keine einheitlichen Anforderungen. Aktueller Stand (21.06.2026):

  • PFAS-Nachweis wird verlangt: Thurgau, Appenzell Ausserrhoden
  • Einführung geplant: St. Gallen
  • Kein PFAS-Nachweis erforderlich: Bern

Diese Unterschiede führen zu uneinheitlichen Voraussetzungen für vergleichbare Betriebe.

Herausforderungen für Betriebe und Kreditstellen

Ein positiver Befund bedeutet nicht automatisch eine Kreditverweigerung. Häufig werden Ursachen geprüft und mögliche Massnahmen diskutiert. In der Praxis bleibt jedoch das Problem, dass Belastungen oft schwer zu reduzieren sind und Prozesse viel Zeit benötigen. Gerade bei anstehenden Investitionen oder Hofübergaben fehlt dadurch oft die nötige Planungssicherheit.

Politischer Rahmen

Auf Bundesebene läuft eine Vernehmlassung zum Umgang mit PFAS in der Landwirtschaft (siehe Motion 25.3421). Ziel ist es, den Vollzug zu klären und verlässlichere Rahmenbedingungen zu schaffen. Konkrete, flächendeckende Lösungen sind aber noch nicht abschliessend definiert.

Fazit

PFAS wirken inzwischen direkt in Finanzierungsentscheidungen hinein und beeinflussen, ob Betriebe langfristig investieren können. Die kantonal unterschiedlichen Anforderungen verstärken die Unsicherheit zusätzlich. Viele Betriebe benötigen daher klare, verlässliche Regeln, die Investitionen ermöglichen und den Umgang mit belasteten Situationen praktikabel regeln.


Quelle

SRF: https://www.srf.ch/news/schweiz/verunreinigte-boeden-pfas- belastungen-koennten-kredite-fuer-bauern-verunmoeglichen

Publiziert: 17.06.2026