PFAS–Check Schweiz
Auswirkungen von fluorierten Chemikalien (PFAS) auf Mensch und Umwelt sowie fluor- und PFAS-freie Alternativen

Greenpeace-Report zu temporären Klebetattoos: Chemie auf der Haut

Einleitung

Temporäre Klebetattoos wirken wie ein harmloses Party- oder Spielzeugprodukt: bunt, leicht aufzutragen, nach kurzer Zeit wieder weg. Gleichzeitig liegen sie häufig über Stunden oder Tage direkt auf der Haut. Damit stehen Farben, Klebstoffe und Beschichtungen in engem Kontakt mit der Hautbarriere – besonders relevant bei Kindern, deren Haut empfindlicher ist und deren Körper im Verhältnis zur Körperoberfläche stärker belastet werden kann.

Der Report macht deutlich: Das Risiko entsteht nicht nur durch einzelne Stoffe, sondern vor allem durch den Mix verschiedener Chemikalien („Chemie-Cocktail“). Auch wenn einzelne Werte für sich genommen unter bestehenden Grenzwerten liegen können, bleibt die Kombination vieler Substanzen problematisch – insbesondere bei wiederholter Anwendung und längerer Tragedauer.

Ziel der Untersuchung

Ziel war es, die chemische Belastung von temporären Klebetattoos zu erfassen und die Befunde aus Verbraucher- und Gesundheitsschutzsicht einzuordnen – mit besonderem Augenmerk auf Produkte, die für Kinder attraktiv sind bzw. von Kindern genutzt werden.

Was wurde untersucht?

  1. Es wurden insgesamt 15 temporäre Klebetattoos untersucht (Produkte für Kinder und Erwachsene).
  2. Analysiert wurden insbesondere folgende Stoffgruppen bzw. Problemstoffe:
  • PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen sind sehr langlebige „Ewigkeitschemikalien“)
  • Schwermetalle, insbesondere Blei und Nickel
  • Weichmacher (u. a. Phthalate und Ersatzweichmacher)
  • PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Im Kontext solcher Tests häufig über einzelne Leitstoffe berichtet)
  • VOC (flüchtige organische Verbindungen wie Lösungsmittelbestandteile)

Ergebnisse der Untersuchung

1. Gesamtbild: Viele problematische Stoffe in einem Produktmix

  • In den untersuchten Tattoos wurden insgesamt 31 problematische Chemikalien nachgewiesen.
  • In einer Probe wurden bis zu 12 verschiedene problematische Stoffe gefunden.
  • 13 von 15 Tattoos wurden im Report insgesamt als nicht empfehlenswert bewertet.

2. Grenzwerte vs. Schutzlücke („Cocktail-Effekt“)

  • Auch wenn Grenzwerte für einzelne Stoffe eingehalten sein können, werden reale Risiken oft nicht ausreichend erfasst, weil Grenzwerte in der Regel Einzelsubstanzen bewerten – nicht aber die Gesamtwirkung vieler Stoffe in Kombination.

3. PFAS: langlebig, schwer abbaubar

  • 4 von 15 Proben enthielten PFAS (im Report werden beispielhaft bestimmte PFAS-Arten benannt).
  • Kernaussage: PFAS gelten als problematisch, weil sie sehr persistent sind und sich in Umwelt und teils auch im Körper anreichern können.

4. Schwermetalle: Blei/Nickel häufig nachweisbar

  • In 14 von 15 Proben wurden Blei und/oder Nickel gefunden.
  • Jeweils in 12 Proben wurden Blei bzw. Nickel nachgewiesen.
  • Einordnung: Blei ist besonders kritisch, weil es schon in sehr kleinen Mengen gesundheitsschädlich sein kann – vor allem für Kinder, da es die Entwicklung von Gehirn und Nervensystem beeinträchtigen kann. Zudem kann sich Blei im Körper anreichern, sodass wiederholter Kontakt (z. B. durch häufiges Tragen von Klebetattoos) die Belastung über die Zeit erhöhen kann.
    Nickel ist relevant wegen Allergierisiko (Kontaktallergien).

5. Weichmacher: auch problematische Vertreter

  • In 7 Proben wurden Weichmacher nachgewiesen.
  • Kernaussage: Unter den Weichmachern können auch Stoffe sein, die in anderen Produktgruppen stark reguliert oder unerwünscht sind (je nach Stoff z. B. wegen reproduktionstoxischer Eigenschaften).

6. Regulatorisch auffällige Stoffe (verboten/streng reguliert)

  • 6 Proben enthielten Chemikalien, die im Report als in Kosmetik und/oder Spielzeug verboten bzw. streng reguliert beschrieben werden (teils kann das auch als Verunreinigung auftreten).
  • Einordnung: Das ist besonders relevant, weil Klebetattoos häufig wie ein kosmetisches Produkt genutzt werden (direkter Hautkontakt, teils längere Tragedauer).

7. Flüchtige organische Verbindungen (VOC): häufige Befunde

  • In 12 Proben wurden problematische VOC nachgewiesen.
  • Einordnung: VOC können je nach Stoff reizend, sensibilisierend oder aus Umweltperspektive problematisch sein. Einige sind gut über Haut/Einatmen aufnehmbar.

8. Kennzeichnung/Transparenz

  • Auf 12 von 15 Produkten waren Inhaltsstoffangaben vorhanden.
  • Bei 3 von 15 Produkten fehlten Inhaltsstoffangaben.
  • Zusätzlich wird im Report mangelhafte Kennzeichnung kritisiert (z. B. fehlende/unklare Pflichtangaben).

Schlussfolgerung

Der Report kommt zu dem Schluss, dass temporäre Klebetattoos häufig nicht nur einzelne, sondern mehrere problematische Chemikalien gleichzeitig enthalten. Selbst wenn einzelne Grenzwerte nicht überschritten werden, bleibt die Kombination verschiedener Stoffe („Cocktail-Effekt“) ein zentrales Problem — insbesondere bei häufiger Nutzung und bei Kindern. Daraus leitet der Report Forderungen nach strengeren Regeln, besserer Kennzeichnung und der Vermeidung besonders problematischer Stoffgruppen ab.

Quellen

Greenpeace & Arbeiterkammer Oberösterreich: Report „Chemie auf der Haut – Welche Chemie-Cocktails die bunten Klebetattoos enthalten“, Stand: Juli 2026.

Download: Greenpeace Report "Chemie auf der Haut"