PFAS im Kanton St. Gallen
Problematik
Im Zentrum stehen die existenzbedrohenden Folgen für einzelne Landwirtschaftsbetriebe durch PFAS-belastete Böden und daraus resultierende Überschreitungen bei Tierprodukten. Genannt werden über 4000 Tiere mit zu hohen PFAS-Werten sowie mögliche Kosten in zweistelliger Millionenhöhe, zusätzlich Ertragsausfälle und Wertverluste von Liegenschaften. Kritisiert wird zudem eine befristete Bundes-Sonderregelung zur Vermischung belasteter Produkte: Sie sei wegen Kennzeichnung praktisch nicht umsetzbar und mache das Fleisch faktisch unverkäuflich.
Siehe Medienmitteilung des Bundesrats: PFAS: Konsumierende schützen und belasteten Betrieben eine Produktionsumstellung ermöglichen
Einschätzung
Der Bauernverband betont, betroffene Betriebe seien „Opfer, nicht Täter“ und verweist darauf, dass die Ausbringung von Klärschlamm früher fachlich empfohlen worden sei. Die Regierung weist eine einfache Schuldzuweisung zurück: Die damaligen Rollen seien „sehr vielschichtig“, innerhalb der Landwirtschaft habe es unterschiedliche Haltungen gegeben, und PFAS sei damals noch kein Thema gewesen (kritisch diskutiert wurden eher Schwermetalle und Krankheitserreger). Gleichzeitig wird signalisiert, dass zusätzliche Ressourcen für Beratung grundsätzlich sinnvoll sein können. Der bestehende Sonderkredit sei erst teilweise ausgeschöpft.
Fazit
Die Debatte zwischen akutem wirtschaftlichem Druck auf betroffene Betriebe und einer umstrittenen Verantwortungs- bzw. Kostenfrage spitzt sich zu. Kurzfristig steigt der Handlungsdruck, da weitere parlamentarische Vorstösse rasche Antworten verlangen, während die Klärung der Schuldfrage politisch und sachlich komplex bleibt. Der allergrösste Teil der rund 3200 St. Galler Landwirtschaftsbetriebe sei jedoch nicht von übermässigen PFAS-Belastungen betroffen, stellte der Regierungsrat fest.
Quelle
swissinfo.ch: https://www.swissinfo.ch/ger/st.-galler-bauernverband-gibt-dem-kanton-die-schuld-f%C3%BCr-pfas/91554004